Poe-e-try

Literaturzitate in „Drúdir“

„Der Schatten des Windes“, „Tintenherz“, „Die Stadt der Träumenden Bücher“… immer wieder haben Autoren Bücher geschrieben, unter deren spannender Handlung folgender fettgedruckte Subtext liegt: Bücher sind großartig. Überall wird begeistert das Spiel der Anspielungen und intertextuellen Verknüpfungen gespielt. Es ist ein Spiel, an dem ich mich nur zu gerne beteilige. Allerdings bin ich als Autorin von Sekundärwelten-Fantasy hier ein wenig eingeschränkt, da es keine plausible Erklärung gibt, wieso z.B. ein Zwerg auf einem fiktiven Kontinent die Literatur unserer Welt kennen sollte.

Natürlich haben andere Autoren Lösungen gefunden: Walter Moers hat für seine „Hildegunst-von-Mythenmetz“-Romane bekannten Schriftstellern durchschaubare Pseudonyme verpasst, Jorg of Ancrath (Broken Empire) kann Shakespeare und Sun Tsu zitieren, weil das scheinbare mittelalterliche Fantasy-Setting eben nicht ganz ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Ich dagegen konnte leider keine direkten Zitate unterbringen. Also habe ich mein Buch nur deshalb in drei Überkapitel unterteilt, um ihnen folgende inspirierende Textstellen voranzustellen – sie passen einfach zu gut, als dass ich mir die Gelegenheit hätte entgehen lassen können.

Dreamland

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Edgar Allen Poe, Bildquelle

Nr. 1 ist eines meiner absoluten Lieblingsgedichte: „Dreamland“ von Edgar Allan Poe. Zuerst wollte ich das englische Original verwenden, aber mein Freund meinte, dass Leser sich von einem englischen Zitat am Anfang des Buches womöglich abgeschreckt fühlen würden. Ein gutes Argument – und der Grund, wieso ich auf folgende gelungene Übersetzung eines wunderbar atmosphärischen Gedichtes gestoßen bin.

Ich kann mich nur vor beiden verneigen: Vor Edgar Allan Poe, der das ursprüngliche Gedicht geschrieben hat, und vor Hedwig Lachmann, die mit ihrer Übersetzung eine eigenständige, kreative Leistung erbracht hat und dem Original trotzdem treu geblieben ist.

Der Sandmann

Nach einer eigenen Zeichnung von E. T. A. Hoffmann
E.T.A.Hoffmann, Bildquelle

Mein zweites Zitat ist von E.T.A. Hoffmann, aus „Der Sandmann“:  „Sie könnte für schön gelten, wenn ihr Blick nicht so ganz ohne Lebensstrahl, ich möchte sagen, ohne Sehkraft wäre. Ihr Schritt ist sonderbar abgemessen, jede Bewegung scheint durch den Gang eines aufgezogenen Räderwerks bedingt. (…) Es war uns, als tue sie nur so wie ein lebendiges Wesen und doch habe es mir ihr eine eigene Bewandtnis.” (E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Reclam 2003, S. 34)

Ich glaube, man könnte den Autor von Werken wie „Der Goldene Topf“ oder „Klein Zaches genannt Zinnober“ als einen Begründer der Urban Fantasy bezeichnen. Ich finde seine Bücher inspirierend und habe in Drúdir eine ziemlich offensichtliche Sandmann-Hommage platziert. Also lag nichts näher, als dieses Buch auch direkt zu zitieren.

On the Medusa…

NPG 1234; Percy Bysshe Shelley by Amelia Curran
Percy Bysshe Shelley, Bildquelle

Das letzte Zitat stammt ebenfalls von einem bedeutenden Romantiker: Percy Bysshe Shelley (ich habe bis heute nicht herausgefunden, wie man seinen zweiten Vornamen ausspricht) hat mit „On the Medusa of Leonardo da Vinci in the Florentine Gallery“ ein beeindruckendes Beispiel für diese spezielle, für seine Zeit typische Ästhetik geliefert, bei der Schönheit und Schrecken unentwirrbar miteinander verbunden sind und die auch mein Schreiben beeinflusst hat. Auch dieses Zitat halte ich für sehr passend.

Ich will nicht behaupten, dass ich mich mit diesen Autoren messen kann und habe die Befürchtung immer noch nicht ganz abgelegt, dass sie vielleicht zu viel verraten. Andererseits habe ich das Gefühl, dass „Drúdir“ dadurch sehr gewinnt und finde es angemessen, mit ihnen indirekt darauf zu verweisen, dass kein Buch im luftleeren Raum existiert, sondern immer auch das Ergebnis vielfältiger Einflüsse ist.

Es hat sich angeboten, drei Zitate aus der Literaturepoche Romantik zu wählen, da man durchaus argumentieren könnte, dass „Drúdir“ sich auch mit der Romantik-vs-Aufklärung-Thematik auseinandersetzt.

Ich erlaube mir, diesen Beitrag mit einem meiner Meinung nach sehr passenden “Drúdir”-Zitat abzuschließen:

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